Die Wetterauer Bundestagsabgeordnete Natalie Pawlik (SPD) besuchte den Getränkehersteller Hassia Mineralquellen GmbH & Co. KG am Stammsitz in Bad Vilbel. Im Mittelpunkt des Austauschs mit dem geschäftsführenden Gesellschafter Dirk Hinkel sowie dem Geschäftsführer für Marketing und Strategie Stefan Müller standen die wirtschaftliche Lage aus Sicht des Unternehmens sowie die geplante Einführung einer Zuckersteuer. Die Steuer ist Teil der Vorschläge der Expertenkommission Gesundheit. Ein konkreter Gesetzentwurf liegt bislang jedoch nicht vor.
Das Familienunternehmen produziert und vertreibt inzwischen in fünfter Generation bekannte Marken wie hassia, Rosbacher, Elisabethen Quelle, Bionade, Vita Cola sowie die Fruchtsäfte und Nektare der Marke Rapp’s. Als einer der größten Getränkehersteller Deutschlands beschäftigt Hassia 1.600 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, viele davon aus der Region.
Dirk Hinkel verwies auf die angespannte wirtschaftliche Lage der Branche. Er betonte, dass insbesondere die gestiegenen Energie- und Personalkosten viele Unternehmen bereits heute vor erhebliche Herausforderungen stellen. Vor diesem Hintergrund warnte er vor den zusätzlichen finanziellen Belastungen durch eine Zuckersteuer. “Höhere Verbraucherpreise werden unmittelbar zu Absatzrückgängen führen und die Wettbewerbsfähigkeit insbesondere mittelständischer Unternehmen schwächen. Davon würden vor allem international agierende Großkonzerne profitieren, während der Mittelstand weiter unter Druck gerät.“
Stefan Müller verwies auf die bereits erreichten Fortschritte bei der Reduzierung des Zuckergehalts. „Wir stehen zu unserer Verantwortung und arbeiten seit Jahren daran, den Zuckergehalt unserer Getränke zu senken. Im Rahmen der freiwilligen Selbstverpflichtung konnte die Branche ihre Rezepturen so weiterentwickeln, dass die vereinbarten Ziele bereits im Vorjahr erreicht und rund 15 Prozent Zucker eingespart wurden. Diesen Weg sollten wir konsequent fortsetzen. Die Zuckersteuer konterkariert jedoch genau diese Bemühungen“, so Müller.
Für die Bundestagsabgeordnete kommt es nun darauf an, die unterschiedlichen Interessen sorgfältig miteinander abzuwägen. Natalie Pawlik betonte im Gespräch, dass gesundheitspolitische Ziele und wirtschaftliche Realitäten gemeinsam betrachtet werden müssen. „Ein zu hoher Zuckerkonsum hat nachweislich gesundheitliche Folgen. Deshalb ist es richtig, über wirksame Maßnahmen zur Prävention zu diskutieren. Ob und in welcher Form eine Zuckersteuer ein geeignetes Instrument ist, muss dabei sorgfältig geprüft werden. Entscheidend ist, dass gesundheitspolitische Ziele erreicht werden, ohne mittelständische Unternehmen unverhältnismäßig zu belasten. Dafür braucht es in der Umsetzung beispielsweise praktikable Grenzwerte, ausreichend Übergangsfristen und Planungssicherheit für die Unternehmen.“
Die Unternehmensleitung sprach sich dafür aus, die im Raum stehenden Grenzwerte und Einführungsfristen nochmals zu überprüfen. Aus Sicht von Hassia brauche der Mittelstand ausreichend Zeit, um neue Rezepturen zu entwickeln und Produktionsprozesse anzupassen. Eine Umsetzung der Steuer in 2027 würde zu einer existenziellen Gefährdung von vielen Mittelständlern führen.
Zum Abschluss betonte Pawlik die Bedeutung des direkten Austauschs mit den Unternehmen vor Ort.
„Die Hinweise aus der Wirtschaft und der Praxis vor Ort sind für die politische Debatte wertvoll. Sollte es zu einem Gesetzgebungsverfahren kommen, wird es darauf ankommen, gesundheitspolitische Ziele und die Wettbewerbsfähigkeit mittelständischer Unternehmen gleichermaßen im Blick zu behalten.“, bedankte sich Natalie Pawlik für den offenen Austausch.
