Gemeinsam mit Andreas Hofmann (SPD), dem Ersten Kreisbeigeordneten des Main-Kinzig-Kreises hat die Bundestagsabgeordnete und Staatsministerin Natalie Pawlik (SPD) vor kurzem die Industrie- und Handelskammer (IHK) Hanau-Gelnhausen-Schlüchtern besucht. Im Gespräch mit der neuen Präsidentin Natasha Rohde und dem Hauptgeschäftsführer Dr. Gunther Quidde stand insbesondere die Fachkräftesicherung in der Region im Fokus.
Natasha Rohde führt die IHK seit Mai 2025, nun bot sich erstmals die Gelegenheit mit der Wetterauer Bundestagsabgeordneten Natalie Pawlik, zu deren Betreuungswahlkreis auch der Main-Kinzig-Kreis gehört, ins Gespräch zu kommen. Rohde leitet gemeinsam mit ihrem Mann in zweiter Generation das mittelständische Unternehmen Rohde Schutzgasöfen GmbH, einen Hersteller industrieller Wärmebehandlungsanlagen, und weiß daher ganz genau, wo in der Wirtschaft momentan der Schuh drückt. Die Suche nach qualifizierten Ingenieuren gehört für die Unternehmerin zum Alltag und so dauerte es nicht lange bis die Migrationspolitikerin und die Unternehmerin engagiert ins Gespräch kamen.
Positiv konnte Rohde von der Initiative „Hands on MKK“ berichten, die Studierende gezielt für Praktika in regionalen Unternehmen vermittelt. Über diesen Weg konnte Rohde Schutzgasöfen GmbH bereits eine Fachkraft aus Indien gewinnen. „Die Studierenden merken schnell: Hier lässt es sich gut leben und arbeiten“, sagt Rohde. Das Unternehmen beschäftigt ebenfalls eine Ingenieurin aus der Ukraine.
Doch der Austausch drehte sich nicht nur um Erfolgsgeschichten. Auch schwierige Themen kamen auf den Tisch – etwa die komplexen Verfahren in der Fachkräfteanwerbung und Regelungen wie das gesetzliche Mindestgehalt für ausländische Fachkräfte. Rohde sieht darin eine bürokratische Hürde, Pawlik betont hingegen: „Das Mindestgehalt stellt sicher, dass ausländische Fachkräfte ihren Lebensunterhalt eigenständig bestreiten können.“
Ein weiteres großes Thema war die Bürokratie bei der Integration. „Jede Ausländerbehörde arbeitet unterschiedlich schnell und die Visa- und aufenthaltsrechtlichen Verfahren dauern oft zu lang“, berichtet Rohde aus eigener Erfahrung. Pawlik stimmt zu, dass die Verfahren oft zu komplex und bürokratisch sind.
„Genau deshalb arbeiten wir auf Bundesebene derzeit an der Umsetzung der Work-and-Stay-Agentur. Unser Ziel ist es, den Einstieg internationaler Fachkräfte in den deutschen Arbeitsmarkt deutlich einfacher und schneller zu machen. Mit einer zentralen digitalen Plattform wollen wir Verfahren bündeln, Bürokratie abbauen und dafür sorgen, dass Informationen und Unterlagen nur einmal eingereicht werden müssen, während alle beteiligten Behörden darauf zugreifen können“, erklärt Pawlik. Dr. Quidde hebt zudem lobend hervor, dass die Ausländerbehörde im Main-Kinzig-Kreis vergleichsweise effizient arbeite. Es gibt also auch gute Beispiele. Klar ist allen Beteiligten: Ohne Fachkräfte läuft nichts. „Wir müssen aber auch eine echte Willkommenskultur schaffen. Nur wer sich wohlfühlt, bleibt uns und unserer Wirtschaft erhalten“, betonen Rohde und Pawlik einhellig.
Auch die alltägliche Bürokratie innerhalb der Unternehmen wurde in den Blick genommen. „Wir haben eine Mitarbeiterin, die nur Dokumentationsaufgaben erledigt – das ist zu viel“, berichtet Rohde. Der Erste Kreisbeigeordnete Andreas Hofmann sieht das Problem und feilt an einer Lösung: „Wir müssen uns fragen, ob unsere Regeln überhaupt die Ziele erreichen, die wir erreichen wollen und ob wir wirklich nur das abfragen, was wir auch wirklich wissen müssen.“ Alle Teilnehmer waren sich einig: Mehr Pragmatismus, weniger Überregulierung, faire Löhne und eine Willkommenskultur – nur so lassen sich Fachkräfte gewinnen und halten und lässt sich die Region stärken.
